Saubere Luft oder unsichtbare Gefahr?
Du atmest jeden Tag rund 20.000 Mal ein und aus – doch hast Du Dich jemals gefragt, was dabei eigentlich in Deine Lunge gelangt?
Während wir draußen bewusst versuchen, Schadstoffe zu meiden – etwa indem wir lieber in der Natur joggen als an einer stark befahrenen Straße – unterschätzen wir oft die Belastung in Innenräumen. Dabei verbringen wir rund 90 % unserer Zeit in geschlossenen Räumen: zu Hause, im Büro oder in öffentlichen Gebäuden.
Nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA können die Konzentrationen bestimmter Luftschadstoffe in Innenräumen zwei- bis fünfmal höher sein als im Freien. In besonderen Situationen wurden sogar noch deutlich höhere Werte gemessen.
Das bedeutet nicht, dass Innenraumluft grundsätzlich schlechter ist als Außenluft. Es zeigt jedoch, wie wichtig es ist, auch auf mögliche Schadstoffquellen in unseren Wohnräumen zu achten.
Formaldehyd aus Möbeln und Holzwerkstoffen
Möbel aus Spanplatten oder MDF können Formaldehyd freisetzen, insbesondere wenn formaldehydhaltige Bindemittel verwendet wurden. Das Gas ist farblos und kann über längere Zeit aus bestimmten Holzwerkstoffen ausgasen. Auch Klebstoffe und einige andere Bau- und Einrichtungsprodukte können Formaldehydquellen sein.
▶ Risiko: Formaldehyd kann die Augen und Atemwege reizen. Bei entsprechender Exposition ist es außerdem krebserzeugend für den Menschen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO stuft Formaldehyd als krebserzeugend ein. Wie hoch das tatsächliche Gesundheitsrisiko ist, hängt unter anderem von der Konzentration in der Raumluft und der Dauer der Belastung ab.
▶ Gesunde Alternative: Achte beim Möbelkauf auf emissionsarme, schadstoffgeprüfte Produkte. Massivholzmöbel können eine gute Wahl sein, sofern auch ihre Oberflächenbehandlung emissionsarm ist. Ebenso können geprüfte Spanplatten- und MDF-Möbel niedrige Emissionswerte aufweisen.
Eine hilfreiche Orientierung bieten der Blaue Engel sowie geeignete emissionsbezogene Möbelprüfzeichen. FSC und PEFC geben dagegen vor allem Auskunft über die verantwortungsvolle Herkunft des Holzes, nicht über seine Schadstoffemissionen.
Regelmäßiges Lüften ist ebenfalls wichtig, insbesondere nach dem Kauf neuer Möbel.
Bei Wandfarben solltest Du möglichst emissionsarme Produkte bevorzugen, beispielsweise Farben mit dem Blauen Engel. Auch Naturfarben sind nicht automatisch schadstofffrei – entscheidend sind ihre Inhaltsstoffe und tatsächlichen Emissionen.
Mikroplastik aus Teppichen, Vorhängen und Polstermöbeln
Viele Teppiche, Vorhänge und Polstermöbel bestehen aus synthetischen Materialien wie Polyester oder Nylon. Durch Nutzung und Abrieb können sie winzige Kunststofffasern freisetzen, die sich im Hausstaub ansammeln oder in der Raumluft schweben. Besonders kleine Partikel können auch eingeatmet werden.
▶ Risiko: Mikroplastik wurde bereits in menschlichen Gewebeproben nachgewiesen. In einer Tierstudie der MedUni Wien konnten bestimmte winzige Kunststoffpartikel nach oraler Aufnahme sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Welche gesundheitlichen Folgen die alltägliche Aufnahme von Mikroplastik über die Atemluft beim Menschen hat, ist jedoch noch nicht ausreichend erforscht.
▶ Bewusste Alternative: Bevorzuge bei neuen Teppichen, Vorhängen und Polstermöbeln möglichst schadstoffgeprüfte Naturfasern wie Wolle, Baumwolle, Leinen oder Hanf. Auch Sisal und Kokosfasern können geeignete Alternativen sein. Zertifizierungen wie GOTS oder IVN BEST helfen bei der Auswahl ökologisch hergestellter Textilien mit Beschränkungen für bestimmte Schadstoffe.
Regelmäßiges Staubsaugen, möglichst mit einem gut abgedichteten HEPA-Filtersystem, feuchtes Staubwischen und ausreichendes Lüften können helfen, die Belastung durch Hausstaub und darin enthaltene Partikel zu reduzieren.
Was duftet hier eigentlich?
Viele konventionelle Raumdüfte und Haushaltsprodukte wie Waschmittel, Weichspüler oder Allzweckreiniger enthalten synthetische Duftstoffe und chemische Zusätze, die in die Raumluft abgegeben werden. Besonders problematisch: Phthalate, manchen als Weichmacher in Kunststoffen bekannt, aber auch in künstlichen Düften enthalten. Diese Verbindungen stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein und die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.
▶ Risiko: Beim Einatmen gelangen diese Stoffe in die Lunge und können über die Blutbahn in den Körperkreislauf gelangen. Flüchtige organische Verbindungen (VOCs) aus synthetischen Duftstoffen und Reinigungsmitteln können Kopfschmerzen, Atemwegsreizungen und allergische Reaktionen hervorrufen und werden mit langfristigen gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht.
Bewusste Entscheidungen für eine gesunde Raumluft
Clean Scents - Besonders Zuhause
▶ Gesündere Alternative: Im Haushalt kannst Du gezielt auf Produkte setzen, die keine schädlichen Duftstoffe enthalten. Entscheide Dich zum Beispiel für duftfreie Reinigungsmittel oder solche, die mit natürlichen ätherischen Ölen parfümiert sind.
Anstelle von Weichspüler kannst Du beispielsweise auf Essig oder Waschkugeln zurückgreifen, die Deine Wäsche ebenfalls weich machen, aber ohne synthetische Duftstoffe und chemische Zusatzstoffe auskommen. Essig neutralisiert unangenehme Gerüche und wirkt als Weichmacher, während Waschkugeln den Waschvorgang auf natürliche Weise unterstützen.
Frage Dich, ob Du Raumdüfte wie Duftkerzen und Raumsprays wirklich benötigst und achte hier ebenfalls auf die Inhaltsstoffe.
Luftreiniger mit HEPA-Filter können Feinstaub und andere Partikel aus der Raumluft filtern. Gase wie flüchtige organische Verbindungen (VOCs) erfassen sie nicht, dafür braucht es zusätzlich einen Aktivkohlefilter.
